Wieviel kostet die Gewinnung von Web 2.0 Nutzern

14. Juni 2007 um 12:10 Uhr | In Online-Marketing, Social Communitys, Video-Community, Web 2.0, Widgets | | | Mister Wong |

Der neue Web 2.0-Dienst läuft - natürlich Beta, wie es sich gehört. Jetzt geht es darum, Nutzer zu gewinnen. Aber wie? Und was kostet das?

Ist es nicht paradox? Da bietet man einen kostenlosen Dienst an und muss die Anwender nocht davon überzeugen, ihn zu nutzen. Aber genau das ist wohl das Los eines jeden Web 2.0 Anbieters, der sich in der Startphase befindet und hoch hinaus will. Virales Marketing - sagt man - sei die Lösung, um Nutzer zu gewinnen. Aber zunächst benötigt man die kritische Masse an Anwendern, mit der die digitale Mundpropaganda funktioniert. Ich habe gehört, die liege ungefähr bei 5.000 Usern. Dann stünden die Chancen gut, dass das Wachstum zum Selbstläufer wird. Wissenschaftlich fundiert ist diese Zahl allerdings nicht.

Ist es wirklich so einfach?  Was sagen die erfahrenen Web 2.0 Dienste-Anbieter zu dem Thema? Wieviel darf ein zusätzlicher Nutzer in der Startphase ungefähr kosten? Macht es gegebenenfalls sogar Sinn, die ersten Anwender regelrecht einzukaufen? Beispielsweise für einen Fotodienst oder für eine Videoplattform? Gibt es Web 2.0-Anwender im Sonderangebot?

Deutlich unterscheiden muss man, denke ich, auch bei der Qualität der Nutzer: Handelt es sich um bloße Betrachter oder um aktive Web 2.0 Anwender, die Inhalte generieren? So sind es beispielsweise bei Youtube nur 0,16 Prozent der Nutzer, die Videos hochladen. Die restlichen Besucher begnügen sich damit, lediglich die Inhalte der Seite anzusehen. Nicht so schlimm, solange sie die Filme wenigstens Freunden empfehlen oder in Webseiten einbinden. Denn gerade dadurch entsteht virales Marketing.

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6 Kommentare »

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  1. Es mag wohl für alle Web 2.0 Konzepte einen kritischen Schwellenwert geben ab dem die Gewinnung von produktiven Mitgliedern von selbst geht, abhängig vom Konzept, den Inhalten, der Nische etc, die 5000 können unparametrisiert nur eine grobe Daumenregel und nicht mehr sein.

    Ob es sich jedoch lohnt Web 2.0 Nutzer zu kaufen kann nur eine Frage des geplanten Contents und der Projektidee sein. Denn wem schon Geld nachgeworfen werden muss damit er kommt der wird nicht bleiben wenn er keines mehr kriegt, sondern weiterziehen.

    Und hier kann man Web 2.0 hin oder her immer noch von ganz klassischen Businessplänen ausgehen. Bei einem Sex-Dienst zB wird man sicherlich eine gute Amortisationsrechnung hinbekommen wieviel Geld man für wie lange bis zu welchem Nutzerschwellenwert in die Hand nehmen wird und wo der geplante Break-Even erreicht sein kann. Bei Web 2.0 Konzepten die von größerem Wagnis sind fließt heutzutage wohl nur mehr dann Geld wenn bereits der Grundstock erreicht ist den man ja eigentlich aufbauen will. So gesehen ist Web 2.0 Startup ein bißchen wie Basel II : Kredit kriegt nur der wo nachweisen kann dass er ihn gar nicht braucht…

    Mit freundlichen Grüßen
    Unterneuntupfing Aktuell

    Kommentar von Unterneuntupfing Aktuell — 14. Juni 2007 #

  2. Hallo Unterneutupfing Aktuell,

    vielen Dank. Unter der Betrachtung: “Wieviel bin ich als Web-2.0 Anbieter bereit für einen Nutzer zu zahlen” hast du mich schon ein Stück nach vorne gebracht bzw. bestätigt. Ist eine Frage der Amortisationsrechnung.

    Aber gibt es auch Richtwerte, die aussagen, für wieviel so ein Nutzer im Schnitt gehandelt wird? Als Vergleich nehme ich den Adresskauf eines Adresshändlers. Hier werden Adressen beispielsweise von x bis y Euro pro Kontakt angeboten.

    Kommentar von Marcus Schmidt — 14. Juni 2007 #

  3. Natürlich ist es sinnvoll sich in der Konzeptionsphase eines neuen Web 2.0 Projekts sich zu überlegen welche Marktpreise im Augenblick ‘gehandelt’ werden wenn man allergröbste Überschlagsrechnungen im Kopf machen will in die Visionsphase.

    Ich würde aber dennoch andersrum vorgehen und nach dem Prinzip der retrograden Bezugskostenkalkulation verfahren. Im Beispiel : man nimmt zB an der neue Web 2.0 Dienst soll sich über AdSense-Werbung refinanzieren. Dazu liest man einen Artikel wie diesen hier um eine Vorstellung von Einkommen im Zusammenhang mit Besuchern, Seitenaufrufen und Click-Through-Raten zu bekommen. Daraus kann man nun ableiten wieviele Besucher man bei AdSense braucht um sich dadurch zumindest kostendeckend zu finanzieren. Und daraus wiederum kann man nun rückrechnen wieviel man für Besucherakquirierung ausgeben darf um vor dem St.Nimmerleinstag den Break-Even zu schaffen.

    Vereinfacht *schmunzel* : guckstu in Deine Schatulle, addierst Du defensiv geschätzt wieviele Knete Du frühstens wann wie oft machen kannst (und ziehst 20% Optimismus ab) und daraus rechnet sich dann wieviel ein gekaufter Besucher kosten darf. Da es x Möglichkeiten gibt diese Besucher zu kaufen (AdWords, SEO, SMO, Forenspam usw usf) stellt sich der Akquirierungsmix dann durch das retrograd errechnete Akquirierungsbudget von selbst auf *zwinker*

    Schönes Wochenende
    Unterneuntupfing Aktuell

    Kommentar von Unterneuntupfing Aktuell — 15. Juni 2007 #

  4. Eine Rückwärtsrechnung auf Basis zukünftiger Einnahmen schließt leider den viralen Aspekt aus und ist meiner Meinung nach nur bedingt aussagekräftig wieviele Nutzer man benötigt, damit das Wachstum von selbst anfängt zu laufen.

    Ich denke, wichtiger als die reine Masse an Nutzern ist es gerade in der frühen Phase die “richtigen” Nutzer anzusprechen. Malcom Gladwell hat in seinem Buch Tipping Point ganz gut beschrieben, welche Typen das sind.

    Schafft man es am Anfang diese Multiplikatoren anzusprechen, so stehen die Chancen recht gut das Nutzerwachstum entsprechend anzukurbeln und relativ schnell zu einem sich selbst “befruchtenden” Wachstum zu kommen.

    Gerade Blogger spielen hier für Internet-StartUps eine wichtige Rolle. Blogger sind nicht nur einer der Multiplikatoren für Internet-StartUps, sie gehören in der Regel auch zu den sogenannten Early Adoptern und sind damit willens auch sehr neue Angebote auszuprobieren.

    Allgemeine Werbung wie Ad-Sence, Print-Werbung, Banner-Werbung spricht hier leider undifferenziert eine breite Masse an, wodurch man nur durch Glück die von Gladwell angesprochenen Nutzertypen gewinnt.

    Kommentar von Stefan Berge — 15. Juni 2007 #

  5. Ich habe den zweiten Kommentar von Marcus Schmidt so verstanden dass er zuerst mal an der kaufmännischen Seite interessiert war. Mit diesem Kalkulationsbeispiel kann er zB abschätzen wieviel Geld er in die Hand nehmen kann / muß um die richtigen Anfangskunden zu gewinnen wie es in Kommentar #4 von Stefan Berge beschrieben wird. Kaufmännische Seite und Marketingmix, wie im Schlußteil in #3 beschrieben, sollten aufeinander abgestimmt sein.

    Kommentar von Unterneuntupfing Aktuell — 15. Juni 2007 #

  6. Guter Artikel!!

    sind übrigens auch gerade im Aufbau der kritischen Masse… ;) Deshalb bin ich auch auf dein Blog gestossen….

    -> http://www.neu2null.ch oder http://www.neu2null.de

    grüsse aus der CH
    roman

    Kommentar von roman — 26. August 2007 #

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